Cora Lega ist das Ziel der Helden im zweiten Band, der "Dämonenschatz-Saga". Wie aber kam die Wüstenstadt Cora Lega zu dem Beinamen Dämonenstadt?
Wieso heißt die sie umgebende Wüste Todeswüste?
Und was hat es mit dem Dämonenschatz auf sich, der dem Buch seinen Namen gab?
Antwort gibt eine alte Sage, die von den Ereignissen vor über 6.000 Jahren berichtet.


Als aber der Herrscher Ibn A Sil des riesigen Reiches Cora-Lega eine unermessliche Menge an Schätzen angehäuft hatte und diese Reichtümer nicht Schatzkammern sondern ganze Paläste füllten, bekam er Angst, dass nach seinem Tod Räuber seine Grabstelle plündern würden. Denn natürlich wollte er sich mit seinen Schätzen, seinem gesamten Hofstaat, seinen zahmen Mantikoren, den Kamelodoonen, Laufdrachen und Leh-Muhren, den riesigen Wüstenelefanten mit ihren acht Stoßzähnen und auch mit all seinen Frauen beerdigen lassen. Nicht zu Unrecht befürchtete er, dass seine gierigen Söhne sich seines Erbes bemächtigen und dieses verschleudern könnten, so dass sein mühsam zusammengefügtes Reich zerbrechen würde. Wie konnte er das verhindern? Das Problem bereitete ihm schlaflose Nächte und irgendwann vertraute er sich seinem ersten Minister an.

„Ich habe eine Lösung, Gebieter“, sagte dieser, nachdem er viele Tage gegrübelt hatte. Er suchte mit seinem Herrscher zusammen eine versteckte Oase tief in der Endlosen Trockenwüste aus, die in der Mitte des Reiches Cora-Lega lag. Auf geheimen Pfaden brachten sie Tausende von Untertanen dort hin und nicht einer von ihnen durfte bis zum Tode des Herrschers die Oase wieder verlassen. Die Untertanen bauten über Jahre hinweg ein Grabmal, groß wie eine Stadt, prächtig wie nichts anderes, was zu jener Zeit existierte. Es bot Platz für all die Schätze des Herrschers, für seinen gesamten Hofstaat und alle Frauen. Ibn A Sil aber nannte die Stadt seines Todes Cora-Lega, genau wie sein Reich.

„Wenn ich gestorben bin und in vielen Jahren nichts mehr bleibt von mir und meinem Reich, dann soll die Sage von der Stadt meines Todes und ihren unermesslichen Schätzen in den Köpfen der Völker spuken und sie an mich erinnern.“

Als nun der Tag seines Todes gekommen war und sein Leichnam im höchsten Gebäude der Stadt Cora-Lega aufgebahrt wurde, so wurde mit dem Herrscher sein gesamter Hofstaat, seine Reittiere und all seine Frauen in den Gebäuden der Todesstadt lebendig eingemauert. So hatte es Ibn A Sil ihnen geheißen. Die übrigen Untertanen aber feierten ein rauschendes Fest bis zum nächsten Morgen und übertönten mit ihrer Musik die Schreie der so grausam Gerichteten.

Beim Morgengrauen wanderten sie hinaus in die Wüste um endlich heimkehren zu können. Hinter ihnen verklangen die dumpfen Hilferufe der Eingemauerten.

Auf halber Strecke zwischen der Todesstadt und dem Ende der Wüste, kamen ihnen jedoch zweitausend Soldaten entgegen, angeführt vom ersten Minister des verstorbenen Herrschers. Auf Befehl des Ministers griffen die Bewaffneten die Untertanen an und töteten alle – Männer, Frauen, Kinder. Nicht einer, der die Lage der Todesstadt Cora-Lega kannte, durfte überleben. Nachdem alle Untertanen getötet worden waren, befahl der Minister den einzelnen Abteilungen des Heeres, sich gegenseitig zu töten. Es war ein grauenvolles Morden, dort zwischen den Sanddünen der Wüste. Der erste Minister war der letzte Überlebende. Da aber auch er wusste, wo sich Cora-Lega befand, vollendete er ihren gemeinsamen Plan und stürzte sich am Ende in sein Schwert.

Somit gab es keinen Lebenden mehr, der die Lage von Cora-Lega kannte.

… ausgenommen diejenigen, die in den Häusern der Todesstadt auf ihr unausweichliches Schicksal warteten.

Bevor sich aber der erste Minister tötete, verfluchte er Ibn A Sil und seine eigene Treue zu ihm, denn er hatte die zweite Frau seines Gebieters geliebt. Da diese jedoch, wie alle anderen auch, eingemauert und er selber seinem Herrn treu ergeben war, erfüllte er den letzten Befehl des Herrschers. Allein der Fluch blieb ihm.

Weil Gerüchte über den tausendfachen Tod in der Wüste aber doch bis zu den Bewohnern des Reiches drangen, nannten sie sie seit dem Todeswüste. Sie behaupteten, die Geister der Toten würden durch die Einöde streifen und Reisende in die Irre führen. Schon bald traute sich kein Lebender mehr über die Sanddünen und nahm lieber lange, sehr lange Umwege in Kauf.

Das große Reich Cora-Lega zerfiel unter dem Streit der Söhne des Herrschers, wie dieser gemutmaßt hatte. Und nur wenige hundert Jahre später sprach niemand mehr von dem Imperium Ibn A Sils. Die Todesstadt aber, deren eingemauerten Bewohner sich in Dämonen verwandelt haben sollen, wie die Leute sagten, hieß bald nur noch die Dämonenstadt Cora-Lega. Ihr unermesslicher Schatz, von dem die Legenden berichteten, lockte so manch einen Abenteurer in die Todeswüste, doch keiner von ihnen wurde je wieder gesehen.